Handelsgewinn gesonderte Abgabe vermitteln. Und das Geld soll doch „ein Schlüssel und kein Riegel
des Marktes“ sein, es soll eine Straße und kein Schlagbaum sein; es soll den Austausch fördern,
verbilligen, nicht hemmen und belasten. Und es ist doch klar, daß ein Geld nicht zugleich Tausch- und
Sparmittel, Peitsche und Bremse sein kann.
Deshalb fordere ich neben einer nur durch eine reine Papierwährung ermöglichten Beherrschung der
Geldmassen durch den Staat eine vollkommene, sachliche Trennung des Tauschmittels vom
Sparmittel. Den Sparern stehen alle Güter dieser Welt zur Verfügung, warum sollen sie ihre
Ersparnisse ausgerechnet in Geld anlegen? Das Geld wurde doch nicht gemacht, damit es gespart
werden könnte!
“Das Angebot steht unter einem unmittelbaren, den Waren anhaftenden, sachlichen Zwang; darum
fordere ich einen gleichen Zwang für die Nachfrage, damit bei den Verhandlungen um den Preis das
Angebot nicht der Nachfrage gegenüber im Nachteil bleibe.“
“Wie schlecht das herkömmliche Geld sich als Tauschmittel bewährt, das hat die Untersuchung im III.
Teil gezeigt. Ein Geld, das gesetzmäßig in der Weise arbeitet, daß es sich zurückzieht, wenn es zu
fehlen beginnt, und das in Masse auf dem Markt erscheint, wenn es dort schon übermäßig vertreten
ist, kann nur dem Schwindel und Wucher dienen und muß als unbrauchbar bezeichnet werden, mag
es auch, rein körperlich betrachtet, manch angenehme Eigenschaften haben.“
“Man hat … aus der Nachfrage eine Willenssache der Geldbesitzer gemacht, man hat die Nachfrage
der Laune überantwortet, der Gewinnsucht, dem Wucherspiel und dem Zufall, und dabei hat man
völlig außer acht gelassen, daß das Angebot wegen seiner stofflichen Natur diesem Willen gegenüber
ganz schutzlos ist. So entstand die Macht des Geldes, die, in Geldmacht umgewandelt, einen
unerträglichen Druck auf alle Erzeuger ausübt. … und so haben sie … einen >>Riegel anstelle eines
Schlüssels für den Markt<< geschmiedet. Das Geld stößt die Ware ab, statt sie anzuziehen. Man kauft
Ware, ja, aber nur, wenn man hungrig ist, oder wenn man dabei einen Gewinn hat. Als Verbraucher
kauft jeder nur das Mindestmaß. Irgendwelchen Vorrat will niemand haben; in den Bauplänen sind
Vorratskammern niemals vorgesehen. Würde man allen Bürgern heute eine gefüllte Vorratskammer
schenken – morgen schon fände man alle diese Vorräte auf den Märkten wieder. Nur Geld wollen die
Leute haben, obschon alle wissen, daß dieser Wunsch nicht erfüllt werden kann, insofern als das Geld
aller sich gegenseitig aufhebt. Der Besitz einer goldenen Münze ist ja unbestreitbar viel angenehmer.
Die Waren mögen die „anderen“ haben. Die anderen! Aber wer sind denn in der Volkswirtschaft diese
„anderen“? Wir selbst sind diese anderen; wir alle, die wir Waren erzeugen. Indem wir also als Käufer
die Erzeugnisse der anderen zurückweisen, stoßen wir uns alle gegenseitig unsere Erzeugnisse
zurück. Wenn wir das Geld nicht den Erzeugnissen unserer Mitbürger vorzögen, wenn wir an Stelle
einer angestrebten und doch unerreichbaren Geldrücklage eine Vorratskammer anlegten und diese
mit den Erzeugnissen unserer Mitbürger füllten, so bräuchten wir unsere eigenen Erzeugnisse nicht in
kostspieligen Läden feilhalten zu lassen, wo sie durch die Handelskosten großenteils aufgezehrt
werden. Wir hätten dann einen schnellen und billigen Absatz der Waren.“
Unsere Waren faulen, vergehen, brechen, rosten, und nur wenn das Geld körperliche Eigenschaften
besitzt, die jene unangenehmen, verlustbringenden Eigenschaften der Waren aufwiegen, kann es den
Austausch der Waren schnell, sicher und billig vermitteln, weil dann solches Geld von niemand, in
keiner Lage und zu keiner Zeit vorgezogen wird.
Geld, das wie eine Zeitung veraltet, wie Kartoffeln fault, wie Eisen rostet, wie Äther sich verflüchtigt,
kann allein sich als Tauschmittel von Kartoffeln, Zeitungen, Eisen und Äther bewähren. Denn solches
Geld wird weder vom Käufer noch vom Verkäufer den Waren vorgezogen. Man gibt dann nur noch die
eigene Ware gegen Geld her, weil man das Geld als Tauschmittel braucht, nicht weil man vom Besitz
des Geldes einen Vorteil erwartet.
Wir müssen also das Geld als Ware verschlechtern, wenn wir es als Tauschmittel verbessern wollen.
Da die Besitzer der Waren es mit dem Tausch stets eilig haben, so will es die Gerechtigkeit, daß auch
die Besitzer des Tauschmittels es eilig haben sollen. Das Angebot steht unter unmittelbarem,
eigengesetzlichem Zwang, so soll auch die Nachfrage unter gleichen Zwang gestellt werden.
Das Angebot ist eine vom Willen der Warenbesitzer losgelöste Sache; so soll auch die
Nachfrage eine vom Willen der Geldbesitzer befreite Sache sein.
Wenn wir uns dazu verstehen können, die Vorrechte der Geldbesitzer zu beseitigen und die
Nachfrage dem gleichen Zwang zu unterwerfen, dem das Angebot von Natur aus unterliegt, so lösen
wir alle Widersprüche des herkömmlichen Geldwesens restlos auf und erreichen damit, daß die
Nachfrage völlig unabhängig von allen politischen, wirtschaftlichen oder natürlichen Ereignissen ganz
regelmäßig auf dem Markte erscheint.